"Nichts wird die Chance auf ein Überleben auf der Erde so steigern wie der Schritt zur vegetarischen Ernährung." Albert Einstein

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Vegetarisch durch die Weihnachtszeit

 

Für uns Vegetarier/Innen ist die Weihnachtszeit besonders schwer. Nicht nur, dass uns die Sonne fehlt und wir nicht mal eben ein Stück Obst vom Baum pflücken können und die Pilzsaison auch vorbei ist, nein, jetzt kommen zu all dem Übel auch die Tage, an denen wir uns stundenlang unter totes und angeblich lecker zu bereitetes Fleisch begeben müssen. Dass wir selbst kein Fleisch essen, wird natürlich gönnerhaft respektiert und so sitzen wir dann da, vor uns ein etwas schüchtern anmutender Teller mit Bratkartoffeln und Salat und um uns herum tobt die Fleischorgie. Irgendwann kommt das Tischgespräch natürlich auf das Thema Vegetarismus. Es folgt der Austausch der üblichen Argumente: Tier- und Klimaschutz, BSE und Antibiotika. Irgendwann geben einem alle Recht und es wird sich darauf geeinigt im nächsten Jahr auf jeden Fall weniger Fleisch zu essen.

Der einfachste Weg, sich den weihnachtlichen Schlachtfest zu entziehen, ist Wegbleiben. Weihnachten in Asien zu verbringen ist sehr beliebt. Mugsch zu Hause bleiben geht auch. Beide Möglichkeiten sind sehr wirksam, doch leider gelten sie auch als gemeinschaftsfremd und familienfeindlich.

Und nu? Weihnachten im Kreise der Familie wäre schon nicht schlecht. Also müssen anderen Lösungen her. Hier drei Varianten:

 

Die seriöse Tour

Richten Sie das Weihnachtsfest aus! Ist zwar stressig, aber dafür können Sie den Leuten ein wirklich wertvolles und nachhaltiges Geschenk machen, denn Sie schenken Einsicht! Die Einsicht nämlich, dass ein genussvolles vegetarisches Weihnachten möglich ist und Tiere vor dem Fest keine Angst haben müssen. Mensch und Tier in Harmonie. Weihnachten, das Fest der Liebe! Dieses erste vegetarische Weihnachtsfest wird keiner der Beteiligten je vergessen und das selbst für den Fall, das es nicht glückt, Sie also als weihnachtsfestverderbender Veggie-Fundi der nicht kochen kann den Gästen für immer in Erinnerung bleiben. Ob Weihnachten kulinarisch ein Erfolg wird oder nicht, mit Ihrer vegetarischen (oder sogar veganen?) Ausrichtung des Weihnachtsfestes setzen Sie auf jeden Fall einen Kontrapunkt gegen die so trüben Leichenhallen weihnachtlicher Küchen.

Wenn Sie zudem etwas über den Dingen stehen und Ihren Gästen vielleicht nahebringen möchten, wie es sich anfühlt, schüchtern vor einem Teller zu sitzen, dann bieten Sie den Hardcore-Fleischessern ein Alternativgericht in Form von Bockwurst und Kartoffelsalat an. Sie gelten dann eben nicht als Veggie-Fundie, sondern als unidiologischer, weltoffener und höflicher Gastgeber der eher der FDP nahe steht als den Grünen.

Wichtig ist zu beachten, dass vegetarische Speisen nicht ganz so sättigen wie Fleischspeisen. Tischen Sie also opulent auf oder versuchen Sie die Gäste mit einem kräftigen Nachtisch satt zu bekommen. Die zum Kaffee servierte Weihnachtstorte bietet hier eine weitere Möglichkeit, aber bis zur Kaffeezeit kann es manchmal sehr lange dauern, also am besten überall Schokolade, Kekse und die zur Weihnachtszeit so beliebten Nüsse auslegen.

 

Die krumme Tour

Wenn es für Sie nicht möglich ist, ein vegetarisches Weihnachtsfest auszurichten, sei es, dass Ihre Eltern aus traditionellen Erwägungen auf die Ausrichtung eines Weihnachtsfestes bestehen und dafür über Tierleichen gehen, oder weil Ihnen schlicht die räumlichen oder finanziellen Mittel für eine vegetarische Ausrichtung fehlen, dann bleibt Ihnen noch die krumme Tour. Diese kann nur darin bestehen, die Fleischorgie durch ein bewusst herbeigeführtes Missgeschick zu verhindern. Hierfür gibt es folgende Möglichkeiten: Sie können ganz scheinheilig Ihre Hilfe beim Kochen anbieten und dann versehentlich das Fleisch zu lange schmoren lassen, es falsch oder zu viel würzen, Salz mit Zucker verwechseln usw. Natürlich sind wie zufällig Sie es, der den Gastgebern mit der Adresse eines vegetarischen Lieferservice aus der Klemme hilft. Und natürlich können Sie mit Bestimmtheit sagen, dass auf andere Lieferfirmen um diese Zeit absolut kein Verlass ist, da diese mit dem Andrang an den Feiertagen komplett überfordert sind ohne das am Telefon zuzugeben. Wenn es mit Weihnachtsessen noch klappen soll, bleibt nur die vegetarische Alternative und natürlich freuen Sie sich darüber, dass Sie Ihr peinliches Missgeschick so wieder gutmachen können.

Wie Sie diese Taktik an allen Feiertagen durchhalten, weiß ich auch nicht, doch allein ein vegetarisch gelebter Weihnachtstag mit der Familie ist doch schon mal ein schöner Erfolg. Vielleicht feiern Sie ja auch bei unterschiedlichen Gastgebern, den einen Weihnachtstag hier, den anderen dort. Dann können Sie an allen Tagen den Fleischessern die Suppe versalzen, vorausgesetzt Sie werden in die Küche und an den Herd gelassen.

Falls Ihnen der Zugang zur Küche verwehrt ist, lohnt es sich, Kinder in die Planung miteinzubeziehen. Je jünger die Kinder sind, umso besser, denn kleineren Gören verzeiht man es eher, wenn sie Knetmasse oder Klebe auf den Braten schütten oder aus Spaß in den Römertopf pinkeln. Nehmen Sie also in einem unbeobachteten Augenblick ein Kind beiseite, drücken Sie ihm eine halbe 5-Euro-Note in die Hand und erklären Sie ihm, was es zu tun hat und dass es die andere Hälfte des Geldscheins erst nach der tierlieben Tat und nach dem Beweis der Verschwiegenheit aushändigen. Je älter das Kind ist, umso mehr Geld müssen Sie hinblättern. Und versuchen Sie gar nicht erst, das Kind mit Süßigkeiten entlohnen. Diese gibt es Weihnachten im Überfluss, also ist es nicht erfolgversprechend, mit ihnen zu ködern. Geschenke als Bestechungsmittel gehen auch nicht. Es fällt nur dumm auf, wenn das Kind, nachdem es die obligatorische Schimpfe für die Tat erhalten hat, hochzufrieden mit einem neuen Spielzeug in das Zimmer kommt und nicht sagen darf, von wem es das hat. Also lieber gleich Geld raustun. Das imponiert auf sicher und lässt sich diskret überreichen und verstecken.

Die definitive Altersgrenze für anzuwerbende Kinder ist zehn Jahre. Schon sieben bis zehn Jahre alte Kinder werden in arge Erklärungsnot kommen und müssen sich wirklich etwas einfallen lassen, damit die Sache durchgeht. Die Aussicht auf die zweite Hälfte des Geldscheins lässt die Kinder aber meistens sehr kreativ werden.

 

Die weinerliche Tour

Doch was tun, wenn keine Kinder unter zehn zugegen sind? Dann bleibt vielleicht nur die weinerliche Tour mit weltverbessernden Geschenken. Mama bekommt einen Bildband über Tierhaltung in Deutschland, Papa einen über Waldrodung und Viehzucht. Diese Zuordnung der Bildbände ist wichtig, denn grausame Bilder, die Tierhaltung in Deutschland zeigen, zielen direkt auf den emotional point einer Person und der ist bei Frauen besonders ausgeprägt. Männer hingegen, eher auf der Verstandesebene zu erreichen meistens, reagieren schnell auf klare, sachliche Bilder die den Zusammenhang zwischen Viehzucht und Klimaschutz verdeutlichen. Und bitte keine Sachbücher ohne Bilder schenken. Diese werden, wenn überhaupt, erst nach Weihnachten gelesen. Ein Bildband entfaltet seine Wirkung schon beim ersten Blättern also kurz nach Geschenkübergabe. Die Schwester bekommt die Meat Is Murder-Scheibe von den Smiths, der Bruder die Maxisingle von Don't Kill The Animals mit heißen Cover-Fotos von Lene Lovich und Nina Hagen. Oma und Opa, die sich schon über die komischen Geräusche im Karton gewundert haben, bekommen jeweils ein lebendes Entenküken, welches sie natürlich gleich schlachten können, doch ob die das wirklich durchziehen? Vielleicht bewirkt die weinerliche Tour ja etwas und die Fleischorgie nach der Bescherung fällt aus Gewissensgründen aus und alles freut sich über die beiden Kücken. Und die Küken freuen sich auch. Ein Happy End!

Frohe Weihnachten!

Olaf Bohn